Wirtschaftsinitiative Münster: Wohnungsmarkt unter Druck – schnelles Handeln gefordert
Der angespannte Wohnungsmarkt in Münster entwickelt sich zu einer immer größeren Herausforderung für die lokale Wirtschaft und die Fachkräftesicherung. Dies war das zentrale Thema einer Veranstaltung der Wirtschaftsinitiative Münster im Handwerkskammer Bildungszentrum Münster, bei der Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik unter Moderation von Kay Hildebrand (viadee spark) gemeinsam über Lösungsansätze diskutierten.
Die Verfügbarkeit, insbesondere von bezahlbarem Wohnraum, ist nicht nur eine soziale Frage, sondern entscheidet maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Münster. Obwohl die Stadt Münster das Problem erkannt hat, sinken die Zahlen der Baufertigstellungen von Wohnungen und baureifen Reserven. Während das Ziel des Baulandprogramms 2.000 neue Wohnungen jährlich vorsieht, wurden laut IT.NRW im Jahr 2024 lediglich 1.054 Wohneinheiten fertiggestellt. Gleichzeitig steigen Miet- und Kaufpreise, und die Leerstandsquote tendiert gegen Null.
Foto: BLAUHERZ / Irina Klass
Wenn Mitarbeiter:innen - egal ob Führungskraft oder Azubi - keinen Wohnraum finden, betrifft das direkt auch die Betriebe, erklärten Patricia Nilsson vom Mövenpick Hotel, Andrea Moraldo vom Arbeiter-Samariter-Bund, Jesko von Stechow von der Westfalen AG und Jürgen Klein von der Klaus Klein GmbH. Sie berichteten von Ausbildungsabbrüchen und Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Führungskräften. Verena Teigeler von der Wirtschaftsförderung bestätigte diese Herausforderungen. Christian Terwey vom Bauunternehmen Goldbeck wies zudem auf die im Vergleich zu anderen Städten hohen Baustandards in Münster hin und führte das Beispiel Hamburgs an, wo eine „Initiative kostenreduziertes Bauen“ mit angepassten Baustandards und schnelleren Genehmigungen erfolgreich gestartet wurde.
Die Oberbürgermeisterkandidaten Dr. Georg Lunemann (CDU), Tilman Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen) und Stephan Brinktrine (SPD) nahmen an der Diskussion teil und versprachen, das Thema Wohnen prioritär zu behandeln. Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte deutlich:
• Dr. Georg Lunemann (CDU) fokussierte auf die Hinterfragung von Rahmenbedingungen wie Baustandards und Genehmigungsverfahren und sprach sich für die Einführung eines Leerstandskatasters aus.
• Tilman Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen) möchte die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Wohn + Stadtbau GmbH stärken und mehr Grundstücke in Erbpacht vergeben, um Bodenspekulationen entgegenzuwirken.
• Stephan Brinktrine (SPD) setzt sich für die schnellere Schaffung von mehr bezahlbaren Wohnraum ein und sieht die hohen Wohnstandards als wesentlichen Hemmschuh.
Sigrid Freckmann (Vermittlung Münster Immobilien) ergänzte die Diskussion mit dem Vorschlag, ältere Menschen zu unterstützen, die bereit wären, in kleinere Wohnräume umzuziehen.
Entscheidend sei, dass schnell mehr Wohnraum zur Verfügung gestellt werde, fasste Jesko von Stechow die Dringlichkeit zusammen: „Wir müssen bauen, bauen, bauen.“
Die Wirtschaftsinitiative Münster appelliert an alle Akteure, gemeinsam und zügig Lösungen für die Wohnraumknappheit in Münster zu finden, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts langfristig zu sichern.
