Wer steuert wen?

v.l.n.r.: Rechtsanwalt Philipp Koch, Prof. Dr.-Ing. Axel Wolfermann, Katharina Neuroth, Marcus Herkenhoff und Dr. Wiebke Boergers

Wirtschaftsinitiative Münster diskutiert über Digitalisierung im Straßenverkehr/ E-Mobilität und Sharing-Konzepte, vernetzt und autonom sind die Trends (SMS)

„Was hilft es, wenn wir alle in unseren autonom fahrenden E-Autos im Stau stehen?“ Beresa-Geschäftsführer Marcus Herkenhoff setzte sich bei der Diskussion der Wirtschaftsinitiative Münster (WIN) für unideologisches Denken und die so genannte multimodale Vernetzung, den Wechsel zwischen Auto, Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr ein. Wer steuert und lenkt? Wie verändert die Digitalisierung den Verkehr? Mit diesen Fragen hatte die WIN Gäste und Mitglieder in die Räume von Beresa am Albersloher Weg am 19.09.2017 eingeladen.

Experte Prof. Wolfermann von der Hochschule Darmstadt verwies mit dem Blick auf den Albersloher Weg auf die Anfänge der lernenden Ampelsteuerung in Münster vor zehn Jahren. Digitalisierung kann Vieles erleichtern, muss aber von den Menschen auch verstanden werden, so sein Fazit. Die Abfrage beim Publikum bestätigte: Die anwesenden etwa 50 Unternehmer waren in der Mehrheit bereit, die kürzere Fahrzeit zugunsten von nachvollziehbaren Ampelschaltungen preiszugeben.

Groß war das Interesse an den neuen Telematik-Tarifen: Die Autoversicherungen setzen bei der Bewertung der Risiken zunehmend auf Daten, die die Autos selbst liefern – 25 Gigabyte pro Stunde Fahrzeit, so viel wie eine Bücherwand in der Bibliothek. Möglich würde damit, dass Autofahrer von ihrer Kfz-Versicherung je nach Beschleunigungsverhalten oder Einparkvermögen eingestuft werden. Beim Versuch, mithilfe der elektronischen Kontrolle Einfluss auf das Fahrverhalten zu nehmen, steckt der Teufel noch im Detail, berichtete Referent Philipp Koch, Rechtsanwalt vom Institut für Versicherungswesen. Ein Forschungsprojekt an der Uni Münster befasst sich mit ethischen und versicherungsmathematischen Fragen dazu.

Die WIN hatte bereits im März zum Thema Mobilität eingeladen. „Wir wollen neue Impulse setzen, die das Denken in Münster in Schwung bringen“, unterstreicht WIN-Vorsitzende Katharina Neuroth und lacht: „Ich glaube, das ist mit diesem Abend wieder gelungen.“